Arzt-Arzt-Kommunikation in der Klinik
Eine präzise, strukturierte und professionelle Kommunikation zwischen Ärzten ist in jeder Klinik essenziell. Besonders in stressigen Situationen – wie bei der Visite, einem Notfall oder der Übergabe eines Patienten – müssen Informationen schnell und korrekt übermittelt werden. Die Fachsprachprüfung (FSP) legt deshalb großen Wert auf diesen Bereich der Kommunikation.
Gerade ausländische Kolleginnen und Kollegen stehen hier vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen nicht nur die medizinische Fachsprache beherrschen, sondern auch wissen, wie man sich im deutschen Klinikalltag klar, höflich und effizient ausdrückt.
Auf dieser Seite lernst du Schritt für Schritt, wie du mit Kolleg:innen – insbesondere mit deinem Oberarzt oder deiner Oberärztin – professionell kommunizierst. Du bekommst realistische Dialoge, praktische Formulierungen und Tipps für die mündliche Kommunikation im Klinikalltag.
Die SBAR-Methode – strukturiert und sicher kommunizieren
Ein hilfreiches Werkzeug für strukturierte Arzt-Arzt-Kommunikation ist die sogenannte SBAR-Methode. Sie ist in vielen deutschen Kliniken inzwischen Standard und wird auch in der Fachsprachprüfung erwartet.
SBAR steht für:
- S – Situation: Was ist das akute Problem?
- B – Background (Hintergrund): Was ist die medizinische Vorgeschichte?
- A – Assessment: Was ist deine Einschätzung?
- R – Recommendation (Empfehlung): Was schlägst du vor?
Im nächsten Abschnitt findest du ein realistisches Beispiel für ein Gespräch zwischen Assistenzarzt und Oberarzt – inklusive SBAR-Struktur und typischen Formulierungen.
Arzt–Arzt-Gespräch – Notaufnahme (Dyspnoe)
Prüfungssituation
Sie berichten einer Oberärztin über einen Patienten, den Sie zuvor untersucht haben. Das Gespräch findet im ärztlichen Kontext statt. Patientenaussagen werden im Konjunktiv I wiedergegeben, eigene Befunde und Einschätzungen im Indikativ.
Arzt–Arzt-Gespräch
Arzt: Guten Morgen, Frau Oberärztin. Ich möchte Ihnen einen Patienten vorstellen, der sich heute in unserer Notaufnahme vorgestellt hat.
Arzt: Es handelt sich um einen fünfzigjährigen Patienten, der wegen akuter Atembeschwerden gekommen ist.
Arzt: Der Patient habe angegeben, seit etwa drei Tagen unter zunehmender Atemnot zu leiden. Anfangs sei die Atemnot nur bei Belastung aufgetreten, mittlerweile bestehe sie auch in Ruhe. Zusätzlich habe er über produktiven Husten berichtet. Der Auswurf sei gelblich gewesen.
Arzt: Der Patient habe außerdem angegeben, sich seit zwei Tagen abgeschlagen zu fühlen. Fieber habe er subjektiv angegeben, er habe jedoch zu Hause keine Temperatur gemessen. Schüttelfrost habe er verneint. Thoraxschmerzen habe er nicht angegeben.
Arzt: Zu den Vorerkrankungen habe der Patient berichtet, dass ein arterieller Hypertonus bekannt sei. Eine chronische Lungenerkrankung sei ihm nicht bekannt. Allergien habe er verneint.
Arzt: Der Patient habe angegeben, regelmäßig Blutdruckmedikamente einzunehmen. Weitere Medikamente nehme er nicht ein.
Arzt: In der Sozialanamnese habe der Patient angegeben, als Lkw-Fahrer zu arbeiten. Er rauche seit etwa dreißig Jahren ungefähr eine Schachtel Zigaretten pro Tag. Alkohol konsumiere er gelegentlich. Einen Kontakt zu Drogen habe er verneint.
Arzt: Bei der körperlichen Untersuchung zeigte sich ein reduzierter Allgemeinzustand. Der Patient war tachypnoisch. Die Sauerstoffsättigung lag bei Aufnahme bei zweiundneunzig Prozent unter Raumluft. Die Körpertemperatur betrug achtunddreißig Komma drei Grad Celsius.
Arzt: Auskultatorisch zeigten sich feinblasige Rasselgeräusche über dem rechten Unterfeld. Der übrige Untersuchungsbefund war unauffällig.
Arzt: Laborchemisch zeigte sich eine Leukozytose sowie ein erhöhtes CRP. Im Röntgen-Thorax zeigte sich eine Verschattung im rechten Unterlappen.
Arzt: Zusammenfassend handelt es sich aus meiner Sicht um eine ambulant erworbene Pneumonie des rechten Unterlappens.
Arzt: Ich habe bereits eine kalkulierte antibiotische Therapie eingeleitet und den Patienten stationär aufgenommen. Zusätzlich erfolgt eine Sauerstoffgabe sowie eine engmaschige klinische Überwachung.
Typische Prüfer-Nachfragen und mögliche Antworten
Prüfer: Warum geben Sie die Patientenaussagen im Konjunktiv I wieder?
Arzt: Weil es sich dabei um Angaben des Patienten handelt und nicht um eigene ärztliche Feststellungen.
Prüfer: Welche Informationen sind für Sie in der Übergabe besonders wichtig?
Arzt: Vor allem der zeitliche Verlauf der Beschwerden, relevante Vorerkrankungen, der Untersuchungsbefund sowie die bereits eingeleiteten Maßnahmen.
Prüfer: Müssten alle Details der Anamnese weitergegeben werden?
Arzt: Nein. Wichtig ist eine strukturierte Auswahl der relevanten Informationen, nicht eine vollständige Wiederholung der gesamten Anamnese.
Arzt–Arzt-Gespräch – Brustschmerzen (Notaufnahme)
Prüfungssituation
Sie berichten einem Oberarzt über einen Patienten, der sich wegen akuter Beschwerden in der Notaufnahme vorgestellt hat. Patientenaussagen werden im Konjunktiv I wiedergegeben, eigene ärztliche Feststellungen im Indikativ.
Arzt–Arzt-Gespräch
Arzt: Guten Tag, Herr Oberarzt. Ich möchte Ihnen einen Patienten vorstellen, der sich heute in der Notaufnahme vorgestellt hat.
Arzt: Es handelt sich um einen zweiundsechzigjährigen Patienten, der wegen akuter Brustschmerzen gekommen ist.
Arzt: Der Patient habe angegeben, seit etwa einer Stunde plötzlich einsetzende Schmerzen im Brustbereich zu verspüren. Die Schmerzen seien retrosternal lokalisiert und würden als stark drückend beschrieben. Der Patient habe angegeben, dass die Schmerzen in den linken Arm sowie in den Hals ausstrahlen würden.
Arzt: Weiter habe der Patient berichtet, dass zusätzlich Luftnot sowie ein ausgeprägtes Engegefühl in der Brust bestünden. Übelkeit habe er ebenfalls angegeben, Erbrechen habe er verneint. Schweißausbrüche habe er angegeben.
Arzt: Der Patient habe angegeben, dass die Beschwerden in Ruhe aufgetreten seien und sich durch Positionswechsel nicht gebessert hätten. Eine ähnliche Symptomatik habe er in dieser Form bisher nicht erlebt.
Arzt: Zu den Vorerkrankungen habe der Patient berichtet, dass ein Diabetes mellitus Typ II sowie ein arterieller Hypertonus bekannt seien. Außerdem habe er angegeben, dass vor fünf Jahren ein Myokardinfarkt aufgetreten sei. Allergien habe er verneint.
Arzt: Der Patient habe angegeben, regelmäßig Metformin, einen ACE-Hemmer sowie Acetylsalicylsäure einzunehmen. Weitere Medikamente nehme er nicht ein.
Arzt: In der Sozialanamnese habe der Patient angegeben, als Rentner zu leben. Er habe angegeben, früher über viele Jahre geraucht zu haben, derzeit rauche er nicht mehr. Alkohol konsumiere er gelegentlich. Einen Kontakt zu Drogen habe er verneint.
Arzt: Bei der körperlichen Untersuchung zeigte sich ein deutlich reduzierter Allgemeinzustand. Der Patient wirkte blass und kaltschweißig. Der Blutdruck lag bei Aufnahme bei einhundert zu neunzig Millimeter Quecksilbersäule, die Herzfrequenz betrug einhundertzehn pro Minute. Die Sauerstoffsättigung lag bei dreiundneunzig Prozent unter Raumluft.
Arzt: Das EKG zeigte ST-Streckensenkungen in den Ableitungen II, III und aVF. Laborchemisch zeigte sich ein erhöhtes Troponin.
Arzt: Zusammenfassend handelt es sich aus meiner Sicht um ein akutes Koronarsyndrom, am ehesten um einen NSTEMI.
Arzt: Ich habe bereits eine leitliniengerechte Akuttherapie eingeleitet und den Patienten zur weiteren kardiologischen Abklärung auf die Überwachungsstation aufgenommen. Eine invasive Abklärung ist geplant.
Typische Prüfer-Nachfragen und mögliche Antworten
Prüfer: Warum verwenden Sie im Arzt–Arzt-Gespräch den Konjunktiv I?
Arzt: Um Patientenaussagen eindeutig als Fremdaussagen zu kennzeichnen und sie klar von eigenen ärztlichen Feststellungen zu trennen.
Prüfer: Welche Informationen sind für Sie in diesem Fall besonders relevant?
Arzt: Der plötzliche Beginn der Brustschmerzen, die typische Schmerzcharakteristik, die bekannten kardiovaskulären Vorerkrankungen sowie die pathologischen Befunde im EKG und Labor.
Prüfer: Müssen alle Anamnesedetails weitergegeben werden?
Arzt: Nein. Entscheidend ist eine strukturierte Auswahl der für die weitere Behandlung relevanten Informationen.