4.1 Ziel und Aufbau des Arztbriefs in der Fachsprachprüfung

Der Arztbrief ist der schriftliche Prüfungsteil der Fachsprachprüfung und stellt für viele Kandidatinnen und Kandidaten eine besondere Herausforderung dar. Ziel dieses Prüfungsteils ist es zu überprüfen, ob medizinische Informationen strukturiert, verständlich und sprachlich korrekt schriftlich dargestellt werden können.

Im Arztbrief wird nicht geprüft, ob medizinische Entscheidungen fachlich korrekt sind oder ob Leitlinien eingehalten werden. Geprüft wird vielmehr, ob der Kandidat in der Lage ist, einen klar aufgebauten, nachvollziehbaren und professionellen medizinischen Bericht zu verfassen. Der Arztbrief ist dabei ein funktionales Dokument, das der Weiterbehandlung dient.

Ein typischer Arztbrief in der Fachsprachprüfung folgt einer festen Struktur. Diese Struktur ist den Prüfern bekannt und wird erwartet. Ein ungeordneter oder unvollständiger Arztbrief wirkt unsicher und führt häufig zu Punktabzug.

Der Arztbrief besteht in der Regel aus folgenden Abschnitten: Patientendaten und Anlass der Vorstellung, Anamnese, relevante Vor- und Begleiterkrankungen, Befunde, Diagnose, Therapie und Empfehlung beziehungsweise weiteres Vorgehen. Nicht jeder Abschnitt muss gleich lang sein, entscheidend ist die klare Gliederung und Verständlichkeit.

Besonders wichtig ist die saubere Trennung zwischen subjektiven Angaben des Patienten und objektiven ärztlichen Feststellungen. Diese Trennung wird im Arztbrief sprachlich über den Konjunktiv I umgesetzt.


4.2 Konjunktiv I im Arztbrief

Der Konjunktiv I spielt im Arztbrief eine zentrale Rolle. Er dient dazu, Aussagen des Patienten oder von Angehörigen eindeutig als Fremdaussagen zu kennzeichnen. Prüfer achten sehr genau darauf, ob der Konjunktiv I korrekt, konsequent und funktional eingesetzt wird.

Grundsätzlich gilt:

Alle Angaben, die der Patient selbst gemacht hat, werden im Konjunktiv I formuliert. Dazu gehören Beschwerden, zeitlicher Verlauf, subjektive Empfindungen, Angaben zu Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme sowie soziale Aspekte.

Eigene ärztliche Feststellungen, Untersuchungsergebnisse, Befunde, Diagnosen und therapeutische Maßnahmen werden im Indikativ formuliert. Diese klare sprachliche Trennung ist eines der wichtigsten Bewertungskriterien im Arztbrief.

Ein häufiger Fehler ist die Vermischung von Konjunktiv und Indikativ innerhalb eines Absatzes. Ebenso problematisch ist das vollständige Vermeiden des Konjunktivs aus Unsicherheit. Beides wirkt auf Prüfer unprofessionell.

Der Konjunktiv I muss nicht in jedem Satz verwendet werden. Entscheidend ist, dass er dort eingesetzt wird, wo Fremdaussagen wiedergegeben werden. Bei längeren Texten ist eine konsequente, aber ruhige Anwendung wichtig.


4.3 Typische Themen für Arztbriefe in der Fachsprachprüfung

Die Themen der Arztbriefe in der Fachsprachprüfung orientieren sich an häufigen Krankheitsbildern aus dem klinischen Alltag. Dabei handelt es sich meist um internistische oder allgemeinmedizinische Fälle, die sich gut schriftlich darstellen lassen.

Typische Themen sind zum Beispiel Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel, Thoraxschmerzen, Bauchschmerzen, Atemwegsinfektionen, COVID-19, Fatigue oder Leistungsabfall. Auch chronische Erkrankungen oder Abklärungen unklarer Beschwerden kommen vor.

Wichtig ist, dass der Arztbrief in der Prüfung in der Regel auf den vorherigen Prüfungsteilen basiert oder auf einem vorgegebenen Fall. Der Kandidat muss die relevanten Informationen auswählen und sinnvoll zusammenfassen. Es wird nicht erwartet, dass alle Details aufgeführt werden, sondern dass der Brief übersichtlich und zweckmäßig ist.

Musterarztbrief 1

Thema: Thoraxschmerzen

An:
Hausärztliche Praxis
Dr. …

Betreff: Vorstellung wegen Thoraxschmerzen

Sehr geehrte Frau Kollegin,

wir berichten über einen zweiundsechzigjährigen Patienten, der sich am heutigen Tag in unserer Notaufnahme wegen akuter Thoraxschmerzen vorgestellt hat.

Der Patient habe angegeben, seit etwa einer Stunde plötzlich einsetzende, drückende Schmerzen im Brustbereich zu verspüren. Die Schmerzen seien retrosternal lokalisiert gewesen und hätten in den linken Arm ausgestrahlt. Zusätzlich habe der Patient über Luftnot, Übelkeit und Kaltschweißigkeit berichtet. Eine vergleichbare Symptomatik habe er in dieser Form bisher nicht erlebt.

Zu den Vorerkrankungen habe der Patient angegeben, dass ein arterieller Hypertonus sowie ein Diabetes mellitus Typ II bekannt seien. Außerdem habe er berichtet, dass vor fünf Jahren ein Myokardinfarkt aufgetreten sei. Allergien habe er verneint. Der Patient habe angegeben, regelmäßig Metformin, einen ACE-Hemmer sowie Acetylsalicylsäure einzunehmen.

Bei der klinischen Untersuchung zeigte sich ein reduzierter Allgemeinzustand. Der Patient war blass und kaltschweißig. Der Blutdruck lag bei Aufnahme bei einhundert zu neunzig Millimeter Quecksilbersäule, die Herzfrequenz betrug einhundertzehn pro Minute. Die Sauerstoffsättigung lag bei dreiundneunzig Prozent unter Raumluft.

Im EKG zeigten sich ST-Streckensenkungen in den Ableitungen II, III und aVF. Laborchemisch war das Troponin erhöht.

Zusammenfassend ergab sich der Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom. Es wurde eine leitliniengerechte Akuttherapie eingeleitet und der Patient stationär aufgenommen.

Wir bitten um Mitbetreuung und bedanken uns für die weitere hausärztliche Betreuung nach Entlassung.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Dr. …

Musterarztbrief 2

Thema: Bauchschmerzen

An:
Hausärztliche Praxis
Dr. …

Betreff: Vorstellung wegen Bauchschmerzen

Sehr geehrte Frau Kollegin,

wir berichten über einen fünfzigjährigen Patienten, der sich in unserer Notaufnahme wegen seit mehreren Tagen bestehender Bauchschmerzen vorgestellt hat.

Der Patient habe angegeben, seit etwa drei Tagen unter zunehmenden, krampfartigen Bauchschmerzen zu leiden. Die Schmerzen seien überwiegend im mittleren Bauchbereich lokalisiert gewesen und hätten sich nach dem Essen verstärkt. Zusätzlich habe der Patient über gelegentliche Übelkeit berichtet. Erbrechen, Fieber oder Blut im Stuhl habe er verneint.

Zu den Vorerkrankungen habe der Patient angegeben, dass ein arterieller Hypertonus bekannt sei. Regelmäßig nehme er blutdrucksenkende Medikamente ein. Allergien habe er verneint. Frühere Operationen habe der Patient nicht angegeben.

Bei der körperlichen Untersuchung zeigte sich ein weicher Bauch mit mäßigem Druckschmerz im Mittelbauch. Es bestanden keine Zeichen eines akuten Abdomens. Die Vitalparameter waren stabil.

Laborchemisch zeigten sich keine relevanten Auffälligkeiten. Die bildgebende Diagnostik ergab keinen Hinweis auf eine akute chirurgische Erkrankung.

Zusammenfassend ergab sich kein Hinweis auf eine akute abdominelle Notfallsituation. Der Patient wurde symptomatisch behandelt und konnte in gutem Allgemeinzustand entlassen werden.

Wir bitten um weitere ambulante Verlaufskontrolle.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Dr. …